Das zweite Treffen im Rahmen des ERASMUS-Projektes „living without borders“

1. Tag: Sonntag, den 26.05.2019:

Um 7:30 Uhr fahren wir mit dem Bus in Richtung Osten los. Uns ist bewusst, dass die Fahrt nach Breslau lange dauern wird. Es sind ca.10 Stunden... Dafür soll Breslau eine der schönsten Städte Polens sein.
Wir, das ist eine bunt gemischte Gruppe von 41 Schülerinnen und Schülern aus der Berufsfachschule und dem Einzelhandel.

Die Lehrer sind sehr bemüht unsere Stimmung aufrecht zu erhalten. So werden wir von Frau Briel mit Süßigkeiten versorgt, Herr Köksal spielt mit uns Karten, Frau Tomaszewska und Frau Beuck können auch nicht stillsitzen und fragen nach, wie es uns geht. Frau Küsmüs und Frau Longoni-Neff haben sich auch um unser Wohlbefinden gekümmert. Der nächste Rast tut gut und dann geht es auf Zielkurs.
Unser Hotel liegt sehr zentral. Am Abend laufen wir zunächst gemeinsam zur Geldwechselstube. Anschließend führt uns Frau Tomaszewska durch ihre Stadt, da sie in Breslau Lehramt studiert hat. Wir besuchen Rynek, den Stadtkern mit einem belebten Marktplatz mit vielen bunten Fassaden, Springbrunnen und Menschen jeden Alters. Wir lassen den Abend in einer Pizzeria ausklingen. Frau Longoni-Neff und ich unterhalten uns darüber, dass wir Schülerinnen und Schüler für 70 Euro ins Ausland fahren können. An dieser Stelle auch ein Dankeschön an ERASMUS für die Unterstützung unseres Projektes. Ein weiteres großes Dankeschön auch an alle Lehrer und Unterstützer, wie u.a. der Förderverein der FBS, die EU und die Stadt Frankfurt.

2. Tag: Montag, den 27.05.2019:

Heute treffen wir endlich die Schüler aus Breslau und Como. In der Aula werden wir offiziell empfangen. Im Anschluss daran hält ein polnischer Lehrer eine Präsentation über die Vertreibung osteuropäischen Juden. Darauf folgt die Geschichte einer Frau, die aus einer naheliegenden Stadt (damals noch Deutschland) nach dem 2. Weltkrieg samt Familie vertrieben wurde.

Mich erschreckt es immer noch, dass es so leicht war/ist die Menschen gegeneinander aufzuhetzen, sodass Freunde zu Feinden werden. Ich möchte es hier nochmal thematisieren: Solche Taten sind menschengemacht und können leider immer wieder passieren.

Es ist nicht selbstverständlich, frei „ohne Grenzen“ zu leben. Später im Unterricht, in gemischten Gruppen, wird uns noch klarer, wie ist es zu flüchten... Wir überlegen, welche fünf Sachen wir einpacken würden, wenn wir plötzlich fliehen müssten.

3. Tag: Dienstag, den 28.05.2019:

Auf nach Krakau. Vormittags steht ein bisschen Kultur auf dem Programm: Wir machen eine Stadttour und gehen zur Burg Wawel. Davor besuchen wir den großen, feuerspuckenden Drachen unterhalb der Burg. Die Sage besagt, dass ein großer Drache die Stadt beherrschte, bis ein Held kam, der den Drachen dazu brachte, den ganzen Fluss auszutrinken, sodass er platzte. Wir laufen zum Stadtkern, wo sich u.a. die Marienkirche befindet, die durch ihren bunt verzierten Innenraum auffällt.
Nach der Mittagspause teilen wir uns in zwei Gruppen auf.
Die erste Gruppe besucht die Fabrik von Oscar Schindler und die zweite macht eine Führung durch das jüdische Vierteil und Krakauer Ghetto. Meine Gruppe und ich laufen zu der ältesten Synagoge Krakaus. Dort treffen wir unseren Guide. Er erklärt uns, warum in Polen so viele Juden lebten. Es geht zurück bis ins Mittelalter, als König Kasimir der Große herrschte. Unter seiner Herrschaft wurde der rechtliche Status der Juden als gleichwertige Bürger geregelt und sie lebten friedlich mit der polnischen Bevölkerung zusammen.

Heutzutage leben nur wenige hundert Juden in Krakau. Der 2. Weltkrieg und der allgegenwärtige Antisemitismus haben seine Spuren hinterlassen. Viele Krakauer Juden sind ausgewandert, nach Amerika oder nach Israel. Einige ihrer Nachfahren kehren aber nun nach Krakau zurück und bleiben... Die Diaspora wächst wieder.
Zum Abschluss besuchen wir den Umschlagplatz im Krakauer Getto, wo die Menschen während des 2. Weltkrieges in „noch arbeitsfähig“ und „nicht arbeitsfähig“ selektiert wurden. Heute erinnert daran ein großer Platz mit vielen überdimensionierten, leeren Stühlen. Unser Guide erzählt uns über das grausame Sterben kleiner Kinder. Aber: erinnern bedeutet gleichzeitig, dieselben Fehler nicht erneut zu begehen...

4. Tag: Mittwoch, den 29.05.2019:

Wir treffen uns erneut in der Schule. Die italienischen Schüler stehen gespannt auf der Bühne, um uns ihr Projekt, die Talking Map, vorzustellen. Sie haben eine Europakarte in einen Computer „verwandelt“. So können sie einen Zahlencode eingeben und dann leuchten LEDs die historischen Fluchtwege von Menschen aus unseren Ländern Polen, Italien und Deutschland auf. Im Hintergrund erklärt eine Stimme Fakten über die Vertreibungen. Ich erkenne die Stimme einer Mitschülerin. Hier muss man sagen -  große Dinge schafft man eben nur gemeinsam. Des Weiteren prämiert Frau Longoni-Neff die Gewinner der Logo-Competition von unserem letzten Treffen in Frankfurt.


Im Anschluss besuchen alle Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Workshops. Ich nehme am Workshop  zum Thema „Creative Solutions“ teil und kann sagen, dass es mich sicher weitergebracht hat in einer internationalen Gruppe ein Problem zu behandeln und dazu eine Lösung zu entwickeln.
Am Abend treffen wir uns erneut in der Schule zum gemeinsamen Essen. Es gibt ein herrliches Buffet mit traditionellen Speisen, Musik und vielen gemeinsamen Gesprächen. So darf ein Austausch langsam zu Ende gehen.

 

5.Tag: Donnerstag, den 30.05.2019:

Time to go home.  See you guys soon in Italy!

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